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Vivantes Prostatazentrum Berlin

Inkontinenz nach einer Prostata-OP

Nach einem operativen Eingriff an der Prostata kommt es oft zu einer vorübergehenden Inkontinenz: Der Körper braucht Zeit und Beckenbodentraining, um sich an die Veränderung zu gewöhnen.

Probleme beim Wasserlassen nach einer Prostata-OP

Nach einer Operation an der Prostata erfahren viele Männer eine vorübergehende Inkontinenz. Da die Prostata eng mit dem Harntrakt verbunden ist, gehört es zu jedem Aufklärungsgespräch vor einer Prostata-OP dazu, mögliche Probleme mit dem Wasserlassen nach dem Eingriff zu thematisieren.

Eine postoperative Inkontinenz zählt zu den möglichen Risiken von Operationen wegen Prostatavergrößerung oder Prostatakrebs. Aber auch eine Strahlentherapie kann die Blasenfunktion einschränken. Das beeinträchtigt die Lebensqualität von Patienten – vorübergehend.

Denn in den meisten Fällen klingt sie in den ersten 6 Monaten nach der OP ab. Und Mann kann auch etwas dagegen tun: Beckenbodentraining, Biofeedback oder auch Vorlagen helfen durch diese schwierige Phase.

Was heißt Inkontinenz?

Inkontinenz bedeutet unwillkürlicher Urinverlust. Man unterscheidet zwischen Belastungs- und Dranginkontinenz. Viele Männer leiden nach einer Prostata-Therapie unter einer zeitweisen Belastungsinkontinenz. Das heißt, dass bei körperlichen Aktivitäten, Husten oder Niesen und beim Hochheben von Gegenständen ungewollt Urin abgeht.

Von einer Dranginkontinenz spricht man, wenn Betroffene häufigen und heftigen Harndrang verspüren, obwohl die Blase kaum gefüllt ist. Auch hier kann der Urin plötzlich nicht mehr gehalten werden. Diese Form der Inkontinenz ist seltener nach Prostata-Behandlungen.

Inkontinenz nach Prostata-OP: anatomische Gründe

Die Vorsteherdrüse sitzt direkt unterhalb der Harnblase und umschließt die Harnröhre ringförmig. Normalerweise wird die Blase durch drei verschiedene Wege kontrolliert:

Eine Prostata-OP verändert diese Anatomie. Aufgrund der Lage der Prostata müssen bei der Prostatektomie auch Teile der Harnröhre und der innere Blasenschließmuskel entfernt werden. Dadurch ist nach der Operation allein der äußere Schließmuskel für das Harnhalten zuständig. Das stellt für den Körper eine große Umstellung dar! Doch wie alle Muskeln im Körper kann auch der Schließmuskel der Blase gezielt trainiert werden.

Auch nach einer HoLEP-Laser-Operation sind die Strukturen der Blase anders: Da die Prostata hier von innen ausgeschält wird, ist die Harnröhre danach innerhalb der Prostatakapsel frei vom gewachsenen Zellgewebe. Dies ist – nach mitunter Jahren der verengten Blasenwege – eine Umstellung für den Körper! Er reagiert manchmal durch ein zeitweises Fehlverhalten der Harnblase (Blasenhyperaktivität).

Durch eine Strahlentherapie wiederum können sich das Gewebe der Blase und der Schließmuskel entzünden. Manchmal vernarben diese Strukturen auch im Laufe der Zeit. Dies kann zu einer Blasenstörung führen, die das Wasserlassen behindert.

Die Behandlung der Inkontinenz nach einer Prostata-Therapie ist oft ein Schwerpunkt in der Rehabilitation nach einem operativen Eingriff. Bei den meisten Patienten verbessert sich die Inkontinenz im Laufe der Zeit. Bei einigen wenigen verschwindet sie leider nicht wieder ganz oder muss operativ behandelt werden.

Mögliche Komplikationen nach Prostata-Operationen

Inkontinenz nach Prostatektomie

  • Nach dem Ziehen des Blasenkatheters haben die meisten Männer Schwierigkeiten, den Urin zu halten. Dies ist aufgrund des Eingriffes am Blasentrakt erwartbar. Und in der Mehrzahl der Fälle bessert sich die Inkontinenz in den ersten Wochen.
  • Drei Monate nach der OP ist noch fast jeder zweite Mann von Inkontinenz betroffen.
  • 18 Monate nach der Operation erleben 4–21 von 100 Männern gelegentlich eine Belastungsinkontinenz.
  • Fünf Jahre nach der Operation benötigen noch 28 von 100 Männern Hilfsmittel gegen Inkontinenz.
  • Bis zu 7 von 100 Männern leiden dauerhaft unter Inkontinenz.
 

Inkontinenz nach einer HoLEP-OP

  • 10–15 % der Patienten leiden in den ersten 6 Wochen nach einer HoLEP an Inkontinenz.
  • Mehr als 10 % der Männer erfahren in den ersten 12 Wochen Brennen beim Wasserlassen, häufiges Urinieren, gelegentlich auch leichte Blutungen im Urin.
  • Auch Infektionen der Harnblase, Nebenhoden oder Nieren können auftreten.
  • Selten kann es zu einem Harnverhalt kommen. Dann wird vorübergehend ein neuer Blasenkatheter gelegt.
  • In weniger als 1% der Behandlungsfälle tritt eine dauerhafte Harninkontinenz auf.
 

OP-Methoden, die das Risiko für Inkontinenz verringern

Dank neuerer OP-Methoden kann das Risiko für Inkontinenz bei Prostata-Operationen gesenkt werden. Zu den wichtigsten Kontinenz-erhaltenden Schritten während einer Prostata-OP im Vivantes Prostatazentrum Berlin zählen:

Worauf es ankommt: Erfahrung der Ärzt*innen

Das Operieren am Prostatagewebe erfordert ein sehr großes chirurgisches Geschick und jahrelange Erfahrung. Denn die Operateurin oder der Operateur müssen sich Millimeter für Millimeter durch das feine Nervengeflecht um die Prostata herum navigieren. Daher spielt die Erfahrung der Ärzt*innen eine große Rolle für ein Operationsergebnis, das die Strukturen der Harnwege so gut es geht schont.

Bei erfahrenen Operateur*innen liegt das Risiko einer permanenten Inkontinenz durch eine Schließmuskelverletzung bei unter 5 %! Patienten sind daher gut beraten, wenn sie sich für eine Prostata-Behandlung an ein "High-Volume-Zentrum" wenden, also an Kliniken mit sehr großen Behandlungszahlen. In diesen Prostatazentren gibt es aufgrund der hohen Fallzahlen die meiste Expertise.

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Beckenbodentraining für Männer

Eine Garantie auf Kontinenz können auch diese modernen Operationsmethoden nicht geben. Ein Eingriff am Blasentrakt bleibt mit dem Risiko eines Kontinenzproblems verbunden. Daher ist es wichtig, dass Sie Ihre Therapieentscheidung gut abwägen – und bei einer Entscheidung für eine Operation auf diese mögliche Komplikation eingestellt sind.

Falls Sie von Inkontinenz betroffen sind: Sie erhalten schon in unserem Berliner Prostatazentrum eine Anleitung zum Kontinenztraining. Und nach dem operativen Eingriff hilft Ihnen eine Reha-Maßnahme und tägliches Beckenbodentraining. Das ist sehr wichtig: Ihr Körper braucht wirklich Zeit und Übung!

Leben mit (vorübergehender) Inkontinenz

Manchmal dauert die Genesung auch etwas länger. Dann heißt es: nicht aufgeben!

Dabei helfen Ihnen ein starker Wille und die Motivation und Hilfe von Familie und Freunden.

Reden Sie offen über die Einschränkungen, die Sie mit Inkontinenz erfahren. Sprechen Sie mit Ihren Ärzt*innen darüber. Sie können sich auch mit anderen Betroffenen dazu austauschen. Die gegenseitige Unterstützung spielt in Selbsthilfegruppen eine sehr große Rolle.

 

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